Nachruf Achim Walther
Im Alter von 90 Jahren ist Achim Walther verstorben. Was er hinterlässt, wird über sein Wirken hinaus Bestand haben. Ein Nachruf für ein Leben in den Diensten der Aufarbeitung. So könnte man es nennen, es war aber weit mehr.
Achim Walther wurde 1936 in Hohndorf im Erzgebirge geboren. Er studierte Maschinenbau und arbeitete als Konstrukteur in Frankfurt (Oder), Oschersleben und Hötensleben und ab 1990 war er im Denkmalschutz des Kreises Oschersleben tätig. 1973 siedelte Achim Walther nach Hötensleben in das Sperrgebiet der „Innerdeutschen Grenze“ über, was sein Schaffen nach der Wiedervereinigung prägen sollte. Schon seit den 1960er Jahren beschäftigte er sich mit der bildenden Kunst. Er fertigte selbst Grafiken und Drucke.
Ohne Achim Walther würde es das einmalige authentische Grenzdenkmal von Norwegen bis Albanien des Eisernen Vorhangs oder wie er sagte, der Eisigen Naht, nicht geben. Natürlich hatte er Wegbegleiter und Unterstützer, aber den entscheidenden Impuls lieferte Achim Walther. Auch von Gegnern des Erhalts der DDR-Grenzanlagen vor dem Ort Hötensleben hat er sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, hat den Dialog gesucht und seine Meinung verteidigt. Dazu hat Achim Walther jahrelang ehrenamtlich Forschung an der Aufarbeitung der Verbrechen der SED-Diktatur betrieben.
Er selbst war durch seine Meinung und demokratische Grundhaltung immer ein Dorn im Auge der damaligen Machthaber in der DDR. Auch durch Repressalien hat er sich aber nicht verbiegen lassen. Das war wahrscheinlich auch ein Beweggrund, warum sich Achim Walther so intensiv mit diesem Thema auseinandersetzte. Mit seinen Büchern „Heringsbahn“ und „Die eisige Naht“ hat er die Geschichte der deutschen Teilung für diese Region wissenschaftlich aufgearbeitet. Er sammelte eine Vielzahl an Dokumenten und führte Interviews mit Betroffenen. Dafür erhielt er bei Historikern hohe Wertschätzung. Wissenschaftlich trifft es hier genau, denn was nicht belegbar war, kam nicht in seine Bücher. Trotz aller Detailgenauigkeit hat Achim Walther mit seinem schönen Schreibstil sowie durch Klarheit, Einfachheit und Lebendigkeit die Bücher auch zu einem Lesevergnügen gemacht. Für die Anschaulichkeit seiner Darstellungen kam ihm seine künstlerische Begabung zu Hilfe. Wo es keine Illustrationen gab, griff er selbst zum Stift. Viele Grafiken und Zeichnungen hat er selbst angefertigt. Diese fanden auch in Schulbücher Einzug: seine Grafik „Die Sperranlagen an der innerdeutschen Grenze bei Hötensleben“ ist in den Geschichtsbüchern der 10. Klasse aufgeführt.
Das spannt den weiteren Bogen zur Arbeit mit jungen Menschen. Gern gab er sein Wissen an junge Menschen weiter, denn er wusste sehr genau, dass ein Engagement für die Demokratie nicht von allein kommt, die Jugendlichen müssen abgeholt werden und ihnen muss gezeigt werden, was Diktaturen anrichten. Durch sein Wissen und durch seine eloquente Art war er bei Medien und anderen Institutionen sehr gefragt. Als Vorsitzender des Grenzdenkmalvereins, den er auch mitbegründete, war er einer der Mitinitiatoren des internationalen Workcamps am Grenzdenkmal.
Achim Walther war ein geachteter Künstler und sein Spektrum riesig. Es reichte von Lithografie bis zur Malerei. Auch vor digitaler Kunst machte er nicht halt. Seine Werke sind beeindruckend. Manchmal ist es mit einem weinenden Auge zu sehen, dass er sich der Aufarbeitung so intensiv widmete, denn sein künstlerisches Schaffen trat dadurch in den Hintergrund. Am bekanntesten ist wohl sein Druck der St. Bartholomäuskirche in Hötensleben, der anmutet, als wäre er im 16. Jahrhundert entstanden. Auch das Wappen von Hötensleben stammt aus seiner Feder. Hier hat er die Geschichte über die Jahrhunderte der Funktion der Burg zur Verteidigung und die Sage um Hans von Bartensleben einfließen lassen.
Außerdem war Achim Walther in der kommunalen Politik als Gemeinderat tätig. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die Straßen in Hötensleben wieder die Namen bekamen, die sie vor beiden Diktaturen hatten. Er störte sich z.B. daran, dass ein in seinen Augen wüster Demagoge und Schläger den Straßennahmen für die Hötenslebener Hauptstraße gab.
Zum breiten Spektrum von Achim Walthers Schaffen gehörte nicht nur das Interesse der jüngeren Geschichte. Er verfasste noch zu DDR-Zeiten eine Ortschronik und die Festschrift zur 975-Jahrfeier. Auch hier ging er wissenschaftlich vor. Ein Beispiel ist die Forschung zum 30jährigen Krieg in Hötensleben. Er studierte tagelang die alten Kirchenbücher und es stellte sich heraus, dass Hötensleben gar nicht so sehr getroffen hat, wie die nähere Umgebung. Aber auch dafür lieferte er den Grund.
Es gibt noch viele weitere Punkte aus dem Schaffen von Achim Walther. Ein weiterer sichtbarer ist die Wetterfahne der evangelischen Kirche St. Bartholomäus. Die Konstruktion bei der Sanierung der Kirche in den 80ern stammt von ihm.
Für sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement wurde er 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Gespräche mit Achim Walter waren durch sein schier unerschöpfliches Wissen immer ein großes Vergnügen. Er äußerte, dass er ohne seine Dietl, so nannte er sein Frau Dietlinde, zu allem nie in der Lage gewesen wäre: „Denn Dietl hat mir den Rücken freigehalten“. Mit Stolz blickte er auch immer gern auf seine Kinder und Enkelkinder.
Der Grenzdenkmalverein und die Gemeinde Hötensleben werden sein Andenken in Ehren halten und lieber Achim wir werden dein Erbe fortführen.
Bild zur Meldung: Nachruf Achim Walther




